Die Arbeitslosenquote unter Menschen mit Migrationshintergrund nimmt immer bedrohlichere Ausmaße an. Zwar ist die Anzahl beschäftigungsloser Menschen in den letzten Jahren auch generell gestiegen, doch sind Migrantinnen und Migranten von der schwierigen wirtschaftlichen Lage besonders betroffen. Die Schere in der Arbeitslosenstatistik zwischen Deutschen und Menschen mit ausländischem Pass vergrößert sich kontinuierlich seit Jahrzehnten. Das Informations- und Beratungs-Netzwerk Pro Qualifizierung tritt an, um dies zu ändern. Denn kaum berücksichtigt wird bislang, dass Menschen mit Migrationshintergrund auch hoch engagiert, qualifiziert und lernbereit sind. Sie verfügen zudem über interkulturelle Fähigkeiten, die Betriebe und Verwaltungen in Deutschland nutzen sollten. Was also verursacht diese entgegengesetzten Entwicklungen?
In Nordrhein-Westfalen liegt die Arbeitslosigkeit unter Menschen mit ausländischem Pass deutlich höher als die Gesamtarbeitslosenquote. Sie betrug landesweit im Jahr 2005 bei Ausländern durchschnittlich 28,7 Prozent während die Quote unter Deutschen bei 13,1 Prozent lag.
Angesichts einer derart hohen Arbeitslosenquote unter Ausländern steht die Gesellschaft vor einer enormen Aufgabe: Dem Gelingen der beruflichen Integration. Migrantinnen und Migranten haben es offensichtlich besonders schwer, sich bei der angespannten Arbeitsmarktlage beruflich zu integrieren. Und zwar vor allem aus drei Gründen: Wegfall von Arbeitsplätzen für Un- und Angelernte durch wirtschaftlichen Strukturwandel, Diskriminierung beim Zugang zu Beschäftigung, fehlende berufliche Qualifikationen beziehungsweise fehlende Erkennung und Anerkennung beruflicher Qualifikationen.
In der Vergangenheit arbeiteten Zugewanderte zumeist in niedrig qualifizierten Berufen. Der Strukturwandel der letzten 25 Jahre bewirkte zum großen Teil den Wegfall solcher Beschäftigung. Neue Beschäftigungsstrukturen erfordern nun einen höheren Grad an Qualifizierung. Davon bleiben Migrantinnen und Migranten oft ausgeschlossen. Leo Monz, Koordinator von Pro Qualifizierung, erläutert dies: „Viele Menschen mit Migrationshintergrund haben ein niedriges (berufliches) Bildungsniveau und zudem Unsicherheiten in der deutschen Sprache – sie wagen sich von selbst nicht an berufliche Weiterbildungen heran. Und die Deutschen – Arbeitgeber, Personalentscheider, Weiterbildungsanbieter wie Vertreter der Arbeitsverwaltungen – begnügten sich viel zu oft damit, auf vorhandene Defizite bei Migranten zu zeigen statt deren Potenziale zu fördern.“ So nehmen Menschen ausländischer Herkunft laut Bundesministerium für Bildung und Forschung wesentlich seltener an beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen teil als Deutsche. Im Jahr 2003 nutzten beispielsweise nur 13 Prozent der Ausländer solche Angebote. Unter den Deutschen waren dies 27 Prozent.
Fakt ist: Berufliche Integration als zentrales Element der Integration findet nicht ausreichend statt. Das hat negative Folgen – für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Migrationshintergrund ebenso wie für die Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland. Um nur ein Beispiel zu nennen: Trotz der hohen Arbeitslosigkeit gibt es partiell nach wie vor Mangel an Arbeitskräften. Nach Angaben der Bertelsmann Stiftung sind „weit über eine Million“ Stellen unbesetzt, weil es an Fachkräften fehlt. Das gilt nicht nur für akademische Berufe, sondern in vielen Fällen auch für Personal mit abgeschlossener Lehre. Ein weiterer Grund, der die berufliche Qualifizierung gerade für Migrantinnen und Migranten immer wichtiger werden lässt.
Pro Qualifizierung will die Beschäftigungssituation von Menschen mit Migrationshintergrund verbessern. Dazu fördert Pro Qualifizierung in erster Linie die Fort- und Weiterbildung in der Beschäftigung, wirkt so präventiv und trägt zur Teilhabe an Führungspositionen bei. Wie das funktioniert? Durch verschiedene Beratungsnetzwerke wendet sich Pro Qualifizierung an kleine und mittlere Unternehmen des Handwerks, an Industrie und öffentliche Verwaltungen, an Migranten- und Beratungsorganisationen. Die Projektmitarbeiter beraten Arbeitgeber, Personalentscheider sowie Betriebs- und Personalräte über Potenziale und die Kompetenzen, die Menschen mit Migrationshintergrund haben – etwa ihre Zweisprachigkeit oder die Fähigkeit, sich in unterschiedlichen Kulturkreisen bewegen zu können, aber auch berufliche Fertigkeiten, die nicht mit einem formalen Qualifikationsnachweis verbunden sind. Zugleich baut Pro Qualifizierung Beratungsangebote für Migrantinnen und Migranten auf, hilft ihnen, ihre Stärken und Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erkennen und ermutigt zur Weiterbildung.
Pro Qualifizierung wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, von der Bundesagentur für Arbeit und dem Europäischen Sozialfonds. Das Projekt gehört zur Gemeinschaftsinitiative EQUAL.
Weitere Informationen finden Sie in unserem Basisflyer Pro Qualifizierung
EQUAL Entwicklungspartnerschaft Pro Qualifizierung
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Elke Knabe
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